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LYME-BORRELIOSE

Manche Autoren schreiben das Wort "Lyme-Borreliose" auch zusammen (Lymeborreliose)

Zur Geschichte der Lyme-Borreliose:

Die Lyme-Borreliose ist eine Er krankung, die erst seit 1975 bekannt ist. Grund war ein gehäuftes Auftreten von äh nlichen Kran kheitsbildern in der Gem einde LYM E in Connecticut (USA). Die Patien ten hatten vor allem eine Gemeinsamkeit: Sie wurden von Zec ken befallen.

Erst 1984 gelang es dem Wissenschaftler Wil li Burgdor fer das Bak terium zu isolieren und zu erforschen. Der Erreger bekam einen Namen: Borrel ia - Burgdor feri. Die
Borrel ien sind der Familie der Spirochäte n (spe ira = Windung) zugeordnet und sind korkenzieher- oder sch raubenförmig. Die Erreger haben eine „fam iliäre Bekanntschaft“ zum Syphiliserreger, daher auch die frühere Bezeichnung „Syphil is aus dem Wald“.
Das besondere und auch zugleich heim tückische an dem Erreger der Lymeborrel iose ist, dass er sich nicht nur über den Blut weg, sondern auch über sämtliche Körpergewebe und Flüssigkeiten ausbreiten kann. (Daher ist eine Labordiagnostik im An fangsstadium der
Kran kheit oft fehlerhaft.)

Die Übertragung der Lyme-Borreliose

Der Erreger Borrel ia Burgdorfer i wird zum größten Teil von Zec ken übertragen. In Europa ist es die Schildzecke (I xodes-r icinus) oder auch gemeiner Hol zbock genannt. In den USA ist es hauptsächlich die Hirsch zecke oder I xodes-scapularis (dam mini). In neuester Zeit werden auch Bremsen und Läuse als Überträger vermutet.

Die Zecke gehört zu den Spinnentieren und hat vier verschiedene Entwicklungsstadien:

  1. Das Ei - für die Übertragung u ninteressant.

  2. Die Lar ve (0,5 mm groß) - braucht zum Erre ichen des nächsten En twicklungsstadiums einen Wir t (In der Regel kleine Säuger wie Mäuse oder Igel)

  3. Die Nym phe (1-1,5 mm groß) - brauch t wieder zum Erreichen des nächsten En twicklungsstadiums einen Wirt. Jetzt komm t neben größeren Säugern auch der Mensch ins Spiel. In dieser Phase können schon Erreger übertragen werden.

  4. Die ausgewac hsene Zec ke (2-4 mm groß) braucht wieder einen Wir t und damit eine Blu tmahlzeit. In dieser Phase ist wieder eine Übertragung möglich.

Die Zecke sucht auf ihrem Wirt eine geeignete Stelle, um dann mit ihrem Saugapparat die Haut zuerst aufzuschneiden und danach den Saugrüssel, der mit Widerhaken versehen ist in die Haut zu stechen. Man spricht also nicht, wie es irrtümlich angenommen wird, von einem Zec kenbiss, sondern von einem Zec kenstich!
Während des Einstechens in die Haut geben die
Zec ken einen im Speichel enthaltenen Stoff in die Haut, der sowohl die Stelle betäubt als auch das Blut dün nflüssiger macht. Daher werden viele Zec kenstiche erst gar n icht entdeckt.
Das Bak terium Borellia burgdor feri kommt aber erst nach einem Sau gvorgang von 12-36 Stunden in den Körper des Wirts, weil sich der Erreger nicht im Speichel sondern im Magen-Darmtrakt befindet. (im Gegensatz zum FSM E-Virus, der sofort mit dem Speichel übertragen werden kann.)

Vorbeugung einer Lyme-Borreliose:

Natürlich sollte die Zecke so schnell als möglich vollständig entfernt werden, dazu gibt es spezielle Vorrichtungen (z.B. www.zeckenschlinge.de). In entsprechenden Risikogebieten sollte man sich ein solches Instrument vielleicht doch zulegen. Nach einem Bericht der Ärztezeitung kann die Lyme-Borreliose mit einer Verabreichung von 200 Milligramm Doxycyclin binnen drei Tagen nach einem Zec kenbiß bzw. Zec kenstich wirksam verhindert werden. Eine solche Vorbeugung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Kontaktzeit mit der Zecke mehr als 12 Stunden betragen hat. Unterhalb dieses Zeitl imits ist eine Übert ragung der Erreger sehr unwahrscheinlich. Sicherheitshalber kann man nach Entfernung der Zecke dieselbe mit zum Arzt bringen, mittels Laboruntersuchungen kann dann festgestellt werden, ob diese Zecke überhaupt Borrelien in sich hatte und somit eine Lyme-Borreliose übertragen konnte.

Symptome (= Krankheitszeichen) der Lyme-Borreliose:

Das wichtigste Merkmal der Lyme-Borreliose ist die Hautrötung (Erythema migrans), die zwischen dem 3. und 30.Tag nach dem Zec kenstich auftritt. Bei ca. 25 % der Patienten entwickelt sich dieses Merkmal aber nicht ! Diese Rötung kann sich sowohl ringförmig und in der Mitte verblassend, als auch homogen ausbreiten. Teilweise entstehen Flecken oder Papeln, bzw.Pusteln. Diese sog. Wan derrötung kann bis sechs Wochen andauern.
In dieser Anfangsphase entstehen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schüttelfrost, Nackensteifigkeit usw. Auffällig ist die Müdigkeit, die sich über Wochen hinzieht.
Wochen und Monate später entstehen Symptome wie
Arth ritis, Herzbeschwerden, Ner venschmerzen oder Nervenlähmungen und psychische Störungen, die bis zur Veränderung der Persönlichkeit gehen.

Der Arzt und Lyme-Borreliose - Spezialist Burrascano hat eine Checkliste von Symptomen der Lyme-Borreliose herausgegeben, die es dem Arzt leichter machen soll, die Lyme-Borreliose zu diagnostizieren.Hier ein Ausschnitt:

Diagnostik bei Lyme-Borreliose:

Anhand der oben aufgeführten verschiedenen Kran kheitsbilder und der Beson derheit des Erregers kann man die Schwierigkeit der Diag nostik erahnen. Die wichtigsten klinischen Kriterien sind jedoch:

  1. Der Zec kenstich
  2. Die Hautrötung
  3. Die Mattigkeit und andauernde Müdigkeit
  4. Grippeähnliche Symptome
  5. Gelenkbeschwerden

Labordiagnostik bei Lyme-Borreliose:

  1. Der direkte Er regernachweis (mik robiologisch) durch Aufzucht der Kulturen aus: Blut, Liquor (= Hirnwasser), Gewebe und Gelenkflüssigkeit (dieser Nac hweis ist sehr aufwendig und birgt einige Fehlerquellen)
  2. Der Nachweis von An tikörper (El isa, Im munblot) aus:Blut, Liq uor (= Hir nwasser), Gewebe und Gelen kflüssigkeit. Der Nachweis von Antikörpern gilt in den ersten 2-3 Wochen als sehr unzuverlässig. Die Zuverlässigkeit steigt mit der Dauer der Kran kheit.
  3. Der Nachwe is von D NA der Er reger (durch Po lymerase-Ketten-Reaktion): ebenfalls aus Blut, Liquor (= Hirnwasser), Gewebe und Gelenkflüssigkeit

Differentialdiagnostik (= was außer Lyme-Borreliose sonst noch an Krankheiten in Frage kommen könnte):
Eine Arthritis (= Gelen kentzündung) kann auch rheumatischer Natur sein. Herzr hythmusstörungen sind am ehesten kardial (= das Herz betreffend) bedingt und relativ selten auf eine Lyme-Borreliose zurückzuführen. Rad ikuläre (= Nervenwurzeln betreffende) Störungen, wie sie im Rahmen einer borreliosebedingten, lym phozytären Meningoradikulitis (LMR) auftreten, können auch einer Mul tiplen Sk lerose zugeordnet werden. Eine zunehmende differen tialdiagnostische Bedeutung dürfte die relativ neu en tdeckte
Humane Granulocyten Ehrlichiose (HGE) erlangen.

Therapie der Lyme-Borreliose:

Nach einer Empfehlung des Robert Koch Instituts sind bei Erwachsenen Tetracycline (z.B. Doxycyclin) oder Amoxycillin Antibiotika der 1. Wahl über 3-4 Wochen. In der Literatur und im Internet gibt es H inweise, daß Mittel aus der Klasse der Makrolide (z.B. Erythromycin oder Clarithromycin) besser wirksam sind. Gute Erfolge soll auch die Kombination der Wirkstoffe Hydroxychloroquin (Quensyl ®) (wird eigentlich zur Vorbeugung und Behandlung der Malaria eingesetzt oder auch bei Autoimmunkrankheiten wie rheu matoide Arth ritis oder Lupus erythematodes) und Minocyclin (ein Antibiotikum aus der Klasse der Tetracycline) bringen (http://www.mediacana.net/bsg_sw/Sievers.pdf).
Bei einer Neu roborreliose wird im Anschluß an die Antibiotika-Therapie die Verordnung von Fluconazol empfohlen, das eigentlich zur Behandlung von Pilzinfektionen verwendet wird, aber auch bei Borreliose helfen soll (http://www.neuroborreliose.net/informationen/therapievorschlaege/index.html).

Nach erfolgloser antibiotischer Basistherapie kann zur Schmerztherapie bei einer Ne uro-Borreliose (= bei dieser Form der Lyme-Borreliose stehen Nervenbeschwerden im Vordergrund) ambulant ein Antikonvulsivum (= ein Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei diesen Schmerz wirksam) verordnet werden. Als erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin. Die Kombination mit Baclofen hilft Gabapentin bzw. Pregabalin oder Carbamazepin einzusparen.
Stehen Gelen kschmerzen im Vorde rgrund (Lyme -Arthritis), können nich tsteroidale (= nicht kor tisonhaltige) An tirheumatika gegeben werden, aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und m agenschonende wie z.B. Meloxicam. Beson ders m agenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese S toffgruppe mit einem Her z-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Mar kt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffg ruppe zuvor.

Persist ierende (= trotz Basisbehand lung verbleibende) Beschwerden / Schmerzen sind bei einer Lyme-Borreliose leider oftmals sehr hartnäckig und geben dann Anlaß zu einer speziellen Schmerz therapie.

Sowohl bei der Ne uro-Borreliose als auch Lyme-Arthritis hat sich eine therapeutische Lokal anästhesie (= Behandlung mit einem ör tlichen Betäubungsmittel) sehr bewäh rt, insbesondere in Form von kontinuierlichen Ner venblockaden mittels eines vorübergehend (z.B. 10-14 Tage lang) eingepflanzten Katheters.

Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":

  1. Nervus femoral is (vorderer Oberschenkel nerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des Oberschen kels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kan üle in der Tiefe den Oberschenkel nerv auf und legen in die Nerven scheide (Gewebsumhüllung des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3 Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittel lösung ein. Dabei wählen wir die Kon zentration des Wirkstoffes so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die Schmerz empfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
    Anwendungsbereiche
    : (vordere)
    Oberschen kelschmerzen, Kniegelen kschmerzen und zum Teil Unterschenkel beschwerden (vorderer und innerer Anteil).

  2. Gegen Schmerzen im Hüft- (auch ftgelenk) und Le istenbereich kann vorgenannte Me thode verändert angewendet werden (der sog. 3 in 1-Block oder die Pl exus lumbal is-Blockade): Wenn man die Menge der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nerve nscheide) und betäubt weitere Nerven, die die genannten Körpergebiete versorgen.

  3. N. isch iadicus: Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem Gesä ß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsu mhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Sch lauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsm ittellösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgu ngsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindl ichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
    Anwendungsbereiche: rückwärtiger
    Oberschen kel, hinterer und äußerer Unterschen kel, Fu ß und Fußgelen ke.

  4. Plexus brachialis: Die Einpflanzung des Katheters erfolgt nahe der Achselhöhle am inneren Ober arm oder im seitlichen unteren Halsbereich (der sog. interskalenäre Zugang).
    Anwendungsbereiche: der ganze Ar m einschließlich El len bogen- und Han dgelenke, in der sog. retrograd hohen Variante oder beim interskalenären Zugang auch das Schu ltergelenk.

Wenn Schmerzen aufgru nd einer Lyme-Borreliose längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chron ifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behand lung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Weitere Informationen zu Zec kener krankungen und zur Lyme-Borreliose finden Sie unter: www.zeckenbiss-borreliose.de

In Deutschland gibt es mittlerweile an vielen Orten Selbsthilfegruppen. Falls Sie Interesse haben: www.borreliose-bund.de (einfach anklicken).

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